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Ein Jahr mit Corona – schwierige Bedingungen und neue Chancen

Ein kleines Virus steht mit seinen unzähligen Freunden nun schon seit über einem Jahr im Rampenlicht und tanzt eine eigene Choreographie in vielen Varianten. Dass es damit den Amateursport und das Vereinsleben auf eine harte Probe stellt, steht inzwischen wohl außer Frage.

Schon die Landesmeisterschaften im März 2020 in Speyer waren irgendwie nicht so wie die bisherigen Turniere, auch wenn es vielleicht nur ein kaum wahrnehmbares Bauchgefühl war. Das neuartige Coronavirus war damals für die meisten Menschen nur in den Nachrichten präsent, dennoch instruierte unser Verband DVG (Deutscher Verband für Garde- und Schautanzsport) alle Vereine für die letzten Turniere und Meisterschaften der Saison vorsichtshalber mit den Verhaltensregeln für öffentliche Veranstaltungen.

Doch diese Landesmeisterschaften waren die letzten Wettkämpfe bis heute – SARS-CoV-2 war in Deutschland angekommen. Aus der vorläufigen Unterbrechung des Turnierbetriebs folgte mit den Absagen der Deutschen- und Europameisterschaften der Abbruch der Saison. Es mussten erst ein paar Tage vergehen, ehe man aus einer Art Schockstarre erwachte, bis man realisierte, dass es vorbei war. Bald darauf folgte der erste Lockdown und ein Trainingsverbot für Kontaktsportarten.

Unsere Trainerinnen und Trainer blieben dennoch aktiv und die einzelnen Formationen organisierten sich erstmals in sogenannten Online-Trainings. Mitte Juni durfte dann zuerst draußen im Freien in kleinen und fest zusammen gesetzten Gruppen trainiert werden, später auch wieder fast normal in der Trainingshalle. Hierfür wurden im Verein Hygienepläne erarbeitet und konsequent umgesetzt. Die Aktiven bereiteten sich auf die spezielle „Corona-Saison 2020/2021“ vor, für die der DVG in unzähligen Arbeitsstunden ein schlüssiges und sicheres Konzept erarbeitet hatte. Die Jahreshauptversammlung im Oktober konnte noch als Präsenzveranstaltung unter coronakonformen Bedingungen durchgeführt werden.

Doch schon kurz danach wurden den Vereinsverantwortlichen erste positive Infektionsfälle im familiären Umfeld einiger Aktiven gemeldet, der Beginn der sogenannten „zweiten Welle“ stand unmittelbar bevor. Die Planungen für die neue Saison zerschlugen sich mit dem zweiten Lockdown, zum ersten Mal in der Vereinsgeschichte fand im November keine Tanzgala statt. Die Verantwortlichen des DVG mussten ebenfalls einsehen, dass die Durchführung einer Turniersaison unter diesen Umständen kein sicheres Fundament besitzt und entschieden frühzeitig die komplette Absage.

Die im Sommer aufgekeimte Hoffnung auf etwas Normalität war verschwunden. Kein regelmäßiges Training, keine Tanzgala, keine Turniere. Für die Kinder und Jugendlichen keine Möglichkeit dem Sport bei uns weiter nachgehen zu dürfen, keine sozialen Kontakte innerhalb der wöchentlichen Trainingsgruppen. Der Verein durfte seinem vorherrschenden Grundsatz, nämlich seinen Aktiven eine sinnvolle regelmäßige sportliche Tätigkeit zu bieten, nicht mehr nachkommen. Unserem Trainerteam war aber sofort klar, dass Stillstand keine Option ist.

Die Turniermannschaften trainierten online weiter, die Breitensportgruppen folgten schon bald. Ein kleiner Fakt am Rande: Der Redaktion kam zu Ohren, dass z.B. bei der Formation Futuro am Karfreitag erstmals seit Beginn des zweiten Lockdowns eine Trainingseinheit ausfiel. Der Trainingseifer ist hier also immer noch vorhanden. Auch wenn das Training vor dem Bildschirm das Präsenztraining natürlich nicht ansatzweise ersetzen kann, so taten sich doch ein paar tolle Möglichkeiten auf, die im „normalen“ Trainingsalltag kaum umsetzbar gewesen wären.

Die Aktiven der Jugend- und Hauptklasse trafen sich über Wochen jeden Freitag zu einem ganz besonderen Online-Training. Es standen verschiedene Workshops mit vielen Top-Stars aus der Tänzer- und Sportszene auf dem Programm. Trainiert wurde beispielsweise mit Jana Berezko-Marggrander, Olympiateilnehmerin für Deutschland in der Rhythmischen Sportgymnastik, sowie mit den mehrfachen Weltmeistern im Showdance Lana Smolnikar aus Slowenien, Arina Yakimenko aus Russland, Elena Pejic aus Serbien und Herman Keim aus Norwegen. Sie alle gaben ihr wertvolles Know-How an unsere Tänzerinnen und Tänzer weiter. Gardy Pasewald, erfolgreiche Choreografin, gab eine Einheit zum Thema Jazz- und Moderndance zum Besten. Just Berger, erfolgreich in der Disziplin Disco Dance, sorgte mit dem Workshop „Jumps and Turns“ für Begeisterung. Das „World Wide Web“ macht es heutzutage möglich, auf internationaler Ebene gemeinsam zu trainieren.

Oftmals lud man sich auch befreundete Formationen aus anderen Vereinen ein und absolvierte die „Zoom-Classes“ gemeinsam. Dabei betraten unsere Aktiven auch mal ganz und gar ungewohntes Terrain, wie z.B. die Dancing Devils. Sie trainierten gemeinsam mit den Little Starlights vom Speyerer Tanzsportclub und durften sich in der Paradedisziplin der Speyerer, dem Gardetanz Marsch, probieren.

Viele neue und zufällige Verbindungen wurden geknüpft, die sich vermutlich ohne die Pandemie so nie zusammengetragen hätten. Im Hinblick auf zukünftige Wettkämpfe spürt man einen Wandel, ein neuer „Sportsgeist“ entsteht. Die Verschiebung des Fokus von den einzelnen Vereinen auf wir alle als Ganzes mit der gleichen Leidenschaft, ganz nach dem derzeit beliebten Motto „better together“. Das Virus zwingt zu physischem Abstand, letztendlich sind dadurch aber doch alle enger zusammengerückt. Wir alle hoffen und träumen fest davon, bald wieder auf der Bühne stehen zu dürfen.

Leider stehen die Chancen für eine baldige Wiederaufnahme des Hallentrainingsbetrieb nicht gut und uns bleibt nichts weiter übrig, als in diesem Falle abzuwarten. Derzeit gibt es auch einige Planungen zu möglichen Vereinsaktivitäten im Sommer. Aufgrund der allgemein unklaren Entwicklungen bleibt aber die Spontanität unser treuer Begleiter. Wir informieren euch regelmäßig über den Stand der Dinge.

Bleibt gesund, verliert nicht die Hoffnung! Es wird irgendwann wieder getanzt!

Foto: pixabay.de